Ein Bericht von Christian Schneiders...

Was machen Mitglieder des HFCL beim Kampf der Friesen? Teebeutelweitwurf? Gummistiefelwettkegeln?
Nein, der Friesenkampf hat nichts mit den Ost-, West- oder Nordfriesen zu tun, sondern ist nach dem Erfinder dieses Wettkampf, Karl Friederich Friesen, benannt, der um seine Kernsportart Fechten komplementäre Sportarten „herumgruppiert“ und zu einem Wettkampf entwickelt hat, die die Kernsportart wiederum befruchten sollen. So setzt sich dieser Friesen-Fünfkampf aus den Disziplinen Fechten (bei den jungen Altersklassen Florettfechten, danach Degenfechten), Luftgewehr-Schießen, 1000 m Lauf, Kugelstoßen und Schwimmen zusammen. So stärkt das Schießen die Konzentrationsfähigkeit, das Laufen die Ausdauer, das Schwimmen die Koordination und Kugelstoßen die Schnellkraft. Schaut man sich die Internetauftritte der leistungsstarken deutschen Fechtvereine an, so findet man dort häufig beim Trainerteam auch spezielle Trainer für den Friesenkampf.
Da unser Sohn Hermann sich aus medizinischen Gründen fechterisch zurücknehmen sollte, kam der Hinweis von seinem Musiklehrer, der in der Jugend selbst Friesenkampf intensiv betrieben hatte, genau richtig. Wir hatten noch nie davon gehört, dass es diese Wettkampfart überhaupt gibt. Das mag damit zusammenhängen, dass diese Wettkämpfe nicht vom Deutschen Fechterbund, sondern vom Deutschen Turnerbund ausgerichtet werden. Daher gibt es neben den Landesmeisterschaften und der Deutschen Meisterschaft nur wenige weitere Turniere. Die Friesenkämpfe sind dabei zumeist eingebettet in die Landes- oder Deutschen Mehrkampfmeisterschaften des Deutschen Turnerbundes.
Neugierig geworden, haben wir Hermann dann einfach mal bei den Friesenkampf-Landesmeisterschaften angemeldet, die am 13.06.2015 in Eutin stattfanden und bei hochgradig schwülem Wetter um 9.00h morgens in der Schießanlage eines Eutiner Schützenvereins begann. Da Hermann noch nicht 12 Jahre alt ist, sondern erst 11, durfte er nach neuem deutschen Waffenrecht noch nicht am Schießen seiner Wettkampfgruppe teilnehmen. Das Reglement sieht hier vor, dass dann das Schießen stattfindet, aber für alle Teilnehmer dieser Altersgruppe im Hinblick auf die Gesamt-Rangliste nicht gewertet wird.
Im Anschluss zog die gesamte Friesen-Wettkämpfergruppe weiter, um dann die Fechtwettkämpfe auszutragen. In Hermanns Altersgruppe waren 5 Wettkämpfer, die 4 Florettgefechte konnte Hermann alle für sich entscheiden. Es wird auf 3 gefochten mit einer Zeitbegrenzung von 2 Minuten pro Gefecht. Aus den erzielten Ergebnissen wird mit Hilfe einer Formel eine Punktzahl errechnet, die maximal 16 Punkte zählen kann, die sich aus den gewonnenen Gefechten und den gesetzten Treffern errechnen. Dieses gilt im Übrigen für jede der 5 Disziplinen, man kann maximal 16 Punkte erzielen, diese werden unabhängig von der Altersklasse aus der erzielten Leistung immer gleich errechnet.
Im Anschluss zog der Tross weiter in die Schwimmhalle, wo die Schwimmwettkämpfe stattfanden. In Hermanns Altersklasse sind 50 m zu schwimmen, wahlweise Brust oder Freistil. Die erzielten Zeiten werden in eine Brust- oder Freistil-Formel eingesetzt. Hermann schwamm Brust und wurde mit einer Leistung von ein wenig unter einer Minute Dritter im Feld.
Nun ging es weiter ins Leichtatlethik-Stadion, am frühen Nachmittag begannen nun die Laufwettbewerbe. Alle Altersklassen starteten zusammen zum 1.000 m Lauf, dadurch war es am Start relativ dicht gedrängt, das Feld zog sich dann aber schnell auseinander. In der extremen Schwüle war dieser Mittelstreckenlauf relativ anstrengend. Hermann startete auf der Kurven-Außenbahn, blieb dort auch relativ lange, bis er seinen Platz nach 200 m als fünftplatzierter auf der Innenbahn gefunden hatte. Er ließ sich von einem 15-jährigen vor ihm nicht mehr abhängen und lieferte sich einen packenden Endspurt auf den letzten 200 m, den er mit 4:14 min für sich entscheiden konnte. Das war seine persönliche Bestleistung, 5 sek schneller als eine Woche zuvor auf dem Buni, als er erstmalig die Strecke auf Zeit gelaufen war. Damit war er der Schnellste seiner Altersklasse.
Nun kam die letzte Disziplin, das Kugelstoßen. Je nach Altersklasse variiert hier das Kugelgewicht, die 12 und 13-jährigen stoßen mit 3 kg. Hermann konnte einen richtig guten 3 kg Stoß mit 7,25 m „raushauen“. Auch das war persönliche Bestleistung, denn beim Probetraining zuvor waren es rund 7 m gewesen.
In Summe war Hermann damit vorne, aber das war eigentlich nicht das Wesentliche an diesem Wettkampf. Denn das besondere war die Atmosphäre, es hatte sich das bestätigt, was der Musiklehrer berichtet hatte.
Das Außergewöhnliche ist zum einen, die Einbindung in den Rahmen der Mehrkampfmeisterschaften des Deutschen Turnerbundes. Die Stimmung war außergewöhnlich fröhlich, sportlich intensiv aber fair und entspannt. Neben dem Fechten gab es die Schwimmerischen Mehrkämpfe mit dem Turmspringen, die Leichtathletischen Mehrkämpfe mit Steinstoßen und Schleuderballwerfen, mit ihren Sprint-Wettbewerben und last but not least die turnerischen Mehrkämpfe. Einfach etwas out of the box zum fechterisch Üblichen.
Es war auch einfach mal spannend den Degenfechtern zuzuschauen. Ein Verein dieser Truppe stach hier nicht so sehr mit super guten Leistungen aber mit besonders guter Laune und Spaß heraus aus dem Teilnehmerfeld. Wir haben viel gelacht. Es war ein gefühltes Miteinander.
So fuhren wir nach der Siegerehrung und einem verdienten Applaus für den Organisator fröhlich wieder nach Hause mit der Absicht, im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder bei den Landesmeisterschaften dabei zu sein. Dann sollen unsere beiden Jungs starten, denn ab 8 Jahren kann man hier schon mitmischen.
Prädikat bereichernd. Vielleicht mag ja im nächsten Jahr noch der eine oder andere mitkommen?

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